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	<title>Unternehmensporträt Archive - NW IHK</title>
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		<title>Vorsorge ist Pflicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[doermer.b]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Aug 2024 10:42:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Von Klaus Pohlmann Fast die Hälfte der Selbstständigen muss im Ruhestand beim Geld einen Gang zurückschalten: Für 45 Prozent tut sich eine finanzielle Lücke auf. Sie sind gezwungen, Abstriche zu machen und können den Lebensstandard nicht halten. So beschreibt HDI Deutschland die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung, die das Unternehmen beim Meinungsforschungsinstitut YouGov in Auftrag gegeben  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/08/vorsorge-selbststaendige/">Vorsorge ist Pflicht</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von Klaus Pohlmann</strong></p>
<h6>Fast die Hälfte der Selbstständigen muss im Ruhestand beim Geld einen Gang zurückschalten: Für 45 Prozent tut sich eine finanzielle Lücke auf. Sie sind gezwungen, Abstriche zu machen und können den Lebensstandard nicht halten. So beschreibt <a href="https://www.hdi.de/konzern/presse/rentner-studie-finanzielle-nachteile-frauen-selbststaendige/">HDI Deutschland die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung</a>, die das Unternehmen beim Meinungsforschungsinstitut YouGov in Auftrag gegeben hat.</h6>
<p>Befragt wurden insgesamt gut 1000 Rentnerinnen und Rentner in Deutschland zwischen 63 und 70 Jahren. Allerdings keineswegs nur Selbstständige: Sie machen rund zehn Prozent Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus, und sind entsprechend auch nicht nach weiteren Kriterien – Branche oder Unternehmensgröße etwa &#8211; unterschieden.</p>
<p>Die Studie nimmt außerdem Beamte und Beamtinnen – die in verschiedener Hinsicht als Gruppe ziemlich positiv abschneiden – und Angestellte, also jeweils abhängig Beschäftigte, in den Blick. Außerdem wird nach Altersversorgung von Frauen gefragt.</p>
<p>Dass nach den Befragungsergebnissen ein Drittel der ehemals Selbstständigen mit einer Netto-Rente von weniger als 700 Euro auskommen müssen, überrascht allerdings nicht und ist jedenfalls weniger bedenklich als andere Ergebnisse der Studie. Ausgewählt wurden Menschen, die eben den überwiegenden Teil ihres Erwerbslebens selbstständig – und damit nicht pflichtversichert &#8211; waren. Das heißt aber keineswegs, dass sie keine Vorsorge betrieben hätten.</p>
<p>Und das gilt genauso für die heute im Beruf stehenden. Darauf weist Dr. Andreas Lutz, Vorstandschef des Verbandes der Gründer und Selbstständigen (VGSD), nachdrücklich hin. Er kann sich dabei unter anderem auf Ergebnisse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stützen. Das hatte bereits 2016 festgestellt, dass zwar weniger als die Hälfte der Selbständigen in der gesetzlichen Rentenkasse versichert sind. Das bedeute aber nicht, so das DIW, dass die meisten Selbstständigen deshalb auch finanziell unzureichend auf den Ruhestand vorbereitet seien: Standbeine fürs Alter bilden danach insbesondere Kapitallebensversicherungen, private Rentenversicherungen oder Vermögen, oft als Immobilien.</p>
<h6><strong>Unternehmensgröße ist ein Faktor</strong></h6>
<p>Selbst wenn der Datenstand der DIW-Studie gut zehn Jahre alt ist, sieht Andreas Lutz die Vorsorgebereitschaft heute genauso gegeben. Vor allem aber betont er, wie unterschiedlich die Situation bei jeder und jedem Einzelnen sind: Branche, Größe des Unternehmens, Dauer der Selbstständigkeit, aktuelle Lebensphase, Familienstand und anderes mehr. Auch darauf hatte schon die DIW-Studie hingewiesen und unter anderem zwischen Solo-Selbstständigen und Selbstständigen mit Beschäftigten unterschieden. Ebenso schränkt das DIW ein, dass weitere finanzielle Standbeine „im Haushalt“ vorhanden sind, also der Ruhestand finanziell in Lebenspartnerschaft insgesamt geschultert wird.</p>
<h6><strong>Im Rückblick mehr Vorsorge gewünscht</strong></h6>
<p>Die Frage der Altersvorsorge Selbstständiger ist damit ein höchst individuelles Thema. Aber, auch das kann man festhalten, es ist ein Thema, in jeder Hinsicht. Den wohl deutlichsten Hinweis liefert dieses Ergebnis der HDI-Umfrage: Rückblickend würden ziemlich genau zwei Drittel der ehemals Selbstständigen mehr vorsorgen, 44 Prozent sogar deutlich mehr. Ganz oben auf der Liste stehen dabei Lebens- oder Rentenversicherungen. Bei Wertpapieren sind die Empfehlungen an die nachfolgende Selbstständigen-Generation dabei weniger ausgeprägt als in anderen Berufsgruppen.</p>
<p>Bei der Vorsorge in der Vergangenheit etwas versäumt zu haben: Diese Erkenntnis ist vielleicht ein besonderes Warnsignal der Rentnerstudie. Und bei aller individuellen Vorsorgebereitschaft, die Andreas Lutz bei Selbstständigen sieht: Er wolle bestehende Probleme nicht kleinreden, so der Verbandschef. Auch bei den Existenzgründungsberatungen der IHK Hannover gehört das Thema Altersvorsorge immer dazu, erklärt Henning Schiel als zuständiger Referent. Gerade erst hat die FAZ einen Buchhändler porträtiert: Das Geld für den Ruhestand kommt aus verschiedenen Quellen und reicht für nicht ganz 20 Jahre – obwohl die Frage der Vorsorge waren des gesamten Berufslebens im Raum stand. Das passt zu den Ergebnissen der HDI-Rentnerumfrage, nach denen mehr als die Hälfte der ehemaligen Selbstständigen mit einem künftig sinkenden Lebensstandard rechnen.</p>
<p>Allerdings stellt sich auch immer die Frage nach den Möglichkeiten, überhaupt vorzusorgen. Etwa durch Einflüsse von außen. Andreas Lutz weist darauf hin, dass Selbstständige während Corona Reserven angreifen mussten, die eigentlich für später vorgesehen waren. Zumal die Pandemiehilfen insbesondere bei Solo-Selbstständige auch aus seiner Sicht oft nicht gegriffen haben. Hier werden aber mögliche Probleme erst in den kommenden Jahren sichtbar, zumal es noch keine belastbaren Zahlen zu den Folgen gibt.</p>
<p>Entscheidend ist dabei auch, zu welchem Zeitpunkt ihres Erwerbslebens Selbstständige in den Corona-Jahren nach 2020 waren. „Für einen Teil der Selbstständigen waren es zwei verlorene Jahre“, so Lutz. Diese müssten nun zwei Jahre länger arbeiten.</p>
<p><a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2.png"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-medium wp-image-26009" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-300x169.png" alt="" width="300" height="169" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-200x112.png 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-300x169.png 300w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-400x225.png 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-600x337.png 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-768x432.png 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-800x450.png 800w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-1024x576.png 1024w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2-1200x675.png 1200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/15-_IHK_4-2024-Grafik-2-2.png 1366w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<h6><strong>Keine Lösungen von der Stange</strong></h6>
<p>Aber es gilt: Je älter, desto schwieriger sind Rückschläge oder Versäumnisse aufzuholen. Allerdings gibt es selbst dann noch Möglichkeiten, heißt es etwa beim HDI Deutschland als Auftraggeber der Rentnerstudie: Wer im fortgeschrittenen Alter noch keinerlei Vorsorge für den Ruhestand getroffen hat, sollte versuchen, möglichst effizient vorzusorgen, indem steuerliche Vorteile in der dann nur noch kurzen Ansparphase genutzt werden, so die Empfehlung. Und Fabian von Löbbecke, im Vorstand der HDI Lebensversicherung AG, weist noch einmal auf die Notwendigkeit Individueller Vorsorge und Beratung hin: „Bei der Konzeption einer Unternehmerversorgung sollten keine Lösungen von der Stange gewählt werden. Hier ist es wichtig, die steuerlichen Rahmenbedingungen und persönlichen Bedürfnisse individuell zu prüfen.“</p>
<p>Und eine – immer wieder diskutierte – Pflichtversicherung für Selbstständige? Verbandschef Andreas Lutz ist dafür offen, fordert aber, dass zugleich die Beitragsbemessung gerechter gestaltet wird: „Selbstständige zahlen höhere Beiträge als Arbeitnehmer mit vergleichbarem Einkommen und deren Arbeitgeber zusammen. Die in der Kranken- und Pflegeversicherung zu viel bezahlten Beiträge fehlen für die Altersvorsorge.“</p>
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		<title>Porträtiert: Stadtwerke Neustadt – Ideen für die Zukunft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[pohlmann.k]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Aug 2024 09:25:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Die Stadtwerke Neustadt setzen auf Ideen. Und haben unter dem Leitmotiv Ideenstadtwerke ein Portfolio an Dienstleistungen und Angeboten aufgebau. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Glasfasernetz für Neustadt.   Was sich in den vergangenen fünf Jahren bei den Stadtwerken Neustadt getan hat, lässt sich vielleicht so zusammenfassen: Aus dem Kern der Wärmeversorgung für ein Neubaugebiet  [...]</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Die Stadtwerke Neustadt setzen auf Ideen. Und haben unter dem Leitmotiv Ideenstadtwerke ein Portfolio an Dienstleistungen und Angeboten aufgebau. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Glasfasernetz für Neustadt.</strong></h6>
<h5><strong> </strong></h5>
<p>Was sich in den vergangenen fünf Jahren bei den Stadtwerken Neustadt getan hat, lässt sich vielleicht so zusammenfassen: Aus dem Kern der Wärmeversorgung für ein Neubaugebiet entstand in Schritten eine Strategie, die über eine Verbindung von Digitalisierung und Energie nicht nur erstaunlich gut zur Grundidee eines kommunalen Versorgungsunternehmens passt, sondern sie auch in die Zukunft fortschreibt. Doch dieser eine Satz würde der Entwicklung nicht gerecht.</p>
<p>Aber wo beginnen? Diesmal jedenfalls nicht 1908, dem Gründungsjahr der Stadtwerke. Ein paar Monate zuvor war gerade erst das städtische Gaswerk gebaut worden, wie so oft auch in Neustadt Ursprung von Stadtwerken. Vielleicht hatte man ja nach Hannover – genauer: nach Linden &#8211; geschielt, wo 1825 in der Glocksee die erste Gasanstalt Deutschlands entstand.</p>
<p>So oder so: Die neue Gasanstalt am Rübenberge habe die Nachbarstädte aufhorchen lassen, sollte ein Stadtchronist später schreiben. Doch bei allem Neustädter Fortschrittsstolz, so berechtigt er gewesen sein mag: Jetzt kommt ein Zeitsprung.</p>
<h6><strong>Hätte er eine Zeitmaschine erfunden &#8230;</strong></h6>
<p>Hätte der Neustädter Senator und Apotheker Adolf Redeker, der seinerzeit die Gasanstalt anschob, nebenbei auch eine Zeitmaschine erfunden, so könnte er heute, mehr als 100 Jahre später, feststellen, dass Gas – und daneben Strom und Wasser natürlich – noch immer eine Säule des Stadtwerke-Geschäfts ist. Die wesentlich zu den rund 76,2 Mio. Euro Umsatz beiträgt, die in Neustadt von rund 300 Mitarbeitenden erwirtschaftet wird. Über die Grundversorgung hinaus bieten die Stadtwerke Wallboxen für Elektroautos und Solarmodule für Balkons. Sind mit E-Carsharing unterwegs. Haben sich über an einem Elektro-Installationsgeschäft beteiligt, das eine Nachfolgelösung suchte. Und das jetzt unter dem Namen Voltik gut in die seit 2020 von Pastelltönen geprägte neue Markenlandschaft der Stadtwerke passt. Was vielleicht sogar noch mehr fürs Balneon gilt: So heißt das 2018 gebaute Schwimmbad inklusive Sauna und Naturbadesee. Betrieben ebenfalls von den Stadtwerken.</p>
<h6><strong>Klingt eigentlich paradox: Kalte Nahwärme</strong></h6>
<p>Doch das alles trifft noch nicht den Kern der Veränderungen. Der hat seinen Ursprung in einem Neubaugebiet, dem ehemaligen Industrieareal Hüttengelände mit derzeit rund 200 Wohneinheiten. Erschlossen mit Kalter Nahwärme. Was erstmal, wie es in einem Erklärvideo heißt, paradox klingt: Ein Wasser-Glykol-Gemisch wird im Boden auf acht bis zwölf Grad erwärmt und dann im Haus über eine Wärmepumpe genutzt. Und Kühlung im Sommer geht auch.</p>
<p><a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web.jpg"><img decoding="async" class="wp-image-25973 size-fusion-600 alignleft" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web-600x400.jpg" alt="Kalte Nahwärme: Das hat sich auch Ministerpräsident Stephan Weil angesehen, hier zusammen mit Stadtwerke-Chef Dieter Lindauer (r.)." width="600" height="400" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web-200x133.jpg 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web-300x200.jpg 300w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web-400x266.jpg 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web-600x400.jpg 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web-768x511.jpg 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web-800x533.jpg 800w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/08/Foto_MP_Lindauer_web.jpg 1000w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /></a>Die Wärmepumpen werden sämtlich von den Stadtwerken gesteuert, über das bis in die Häuser verlegte Glasfasernetz. Dass mit dem Stromnetz gleichzeitig Glasfaser verlegt wird, ist inzwischen „ein Klassiker“, sagt Stadtwerke-Chef Dieter Lindauer, der seit 2018 in Neustadt ist. Die Leitungen können an Telekommunikationsunternehmen vermietet werden. Aber warum dann nicht die ganze Stadt, alle 34 Ortsteile, erschließen und selbst Telekommunikationsanbieter werden? Mitte 2020 gab es für diese Idee grünes Licht aus der Politik, vom Aufsichtsrat der zu 100 Prozent kommunalen Stadtwerke.</p>
<p>Das war der Startschuss für gleich mehrere Rennen. Gegen die Konkurrenz, regionale und bundesweite Anbieter, die auch auf dem Weg nach Neustadt waren. Unter den Stadtteilen: Wer die meisten Verträge hat, wird als erstes angeschlossen – ein Köder für Windhunde sozusagen. Und innerhalb der eigenen Organisation. „Wir hatten nichts“, erinnert sich Dieter Lindauer. „Keine Marke. Keine Tarife. Keine Verträge.“</p>
<p>Wenn Lindauer und sein Marketing-Chef Steffen Schlakat heute ruhig dasitzen und erzählen, lässt sich nur an den Zah[1]len erkennen, was das für eine Zeit gewesen sein muss. 400 Kilometer Trasse, bis zu sieben Tiefbaufirmen gleichzeitig beschäftigt. Rund 8500 Kunden mit rund 11.000 aktiven Verträgen. Anschlussquoten in den Ortsteilen – außer der Kernstadt . zwischen 40 und 70 Prozent, zumeist über den zuvor in mit hohem Aufwand sorgfältig festgelegten Zielgrößen. Mittlerweile 300 Gewerbekunden, obwohl die ursprünglich gar nicht eingeplant waren. Die städtischen Einrichtungen angeschlossen, klar – einschließlich der Glasfaser-Anschlüsse für die Schulen. Was während der Coronazeit für den Fernunterricht wichtig war.</p>
<h6><strong>&#8222;Die analoge Welt klappt nicht, wenn Sie Erfolg haben.&#8220;</strong></h6>
<p>Natürlich hat die Telekommunikationstochter der Stadtwerke inzwischen längst Marke und Namen: rasannnt. Aus der Region für die Region, so der Slogan, mit bis zu 1000 Mbit pro Sekunde. Und dann sagt Lindauer einen bemerkenswerten Satz: „Die analoge Welt klappt nicht, wenn Sie Erfolg haben.“ Soll heißen: Es ist nicht nur so, dass ein Angebot durch digitalisierte Abläufe verbessert, leichter zugänglich, mehr nachgefragt wird. Sondern auch, dass man etwas, das einem aus den Händen gerissen wird, eigentlich nur noch digital abwickeln kann. Zwar habe man, so Lindauer, den Markthochlauf mit Papierverträgen und Aktenkarussell noch geschafft. „Aber Papierverträge sind die Hölle.“ Nämlich gerne unvollständig, fehlerhaft und nachbearbeitungsbedürftig.</p>
<p>Die Stadtwerke-Antwort: pattr. Diese Digital-Tochter entwickelt digitale Lösungen für Energie- und Telekommunikationsanbieter, zunächst natürlich für Neustadt selbst. Von der Kundenbestellung bis ins Abrechnungssystem, Verknüpfung und Einbindung unterschiedlichster Softwaresysteme sowohl innerhalb des Unternehmens als auch extern: Durchgehende Digitalisierung ohne großen Systemumstieg bei der IT, so das Versprechen. Pattr nutzt die Open-Source-Software Neos und setzt auf Low-Code-Programmierung. Und in Neustadt hätte man auch gerne die Anerkennung als niedersächsischer Low-Code-Standort.</p>
<p>„Aus der kommunalen Energiewirtschaft, für die kommunale Energiewirtschaft“ – das ist das Leitmotiv. Kunden sind neben der Stadtwerke-Mutter und Schwestergesellschaften wie rasannnt unter anderem die Stadtwerke Garbsen, Emden oder Soltau. Pattr-Chef ist übrigens Dieter – also Dieter Lindauer. Vorname reicht im jungen Digitalunternehmen mit einem Durchschnittsalter des 14-köpfigen Teams von 28 Jahren. Das Du ist zudem durchgehend Standard auf den Stadtwerke-Websites.</p>
<h6><strong>Das Dach heißt: Ideenstadtwerke</strong></h6>
<p>In Neustadt spielt man mit lange gewachsener Tradition und Seriosität auf der einen, modern-zukunftsorientiertem Anspruch auf der anderen Seite. Zusammengeführt ist beides im Namen Ideenstadtwerke, unter dem das kommunale Unternehmen inzwischen auftritt: „Glasfaser in Stadtwerke-Qualität“ – mit diesem Slogan zum Beispiel wird für den Netzanschluss geworben. Waren die Neustädter in den Gründerjahren fortschrittsstolz, so bringt heute Dieter Lindauer ein anderes Wort: Leistungsstolz. Ein Produkt, das einem aus der Hand gerissen wird, das macht etwas mit einem Unternehmen. Und das macht, so Marketing-Chef Schlakat, auch die Suche nach Fachkräften leichter. Es kommen die, die etwas verändern möchten, „die gewillt sind, Gas zu geben“, sagt Schlakat.</p>
<p>Wobei: Das Bild vom Gas geben, das eigentlich so nahe liegt, passt eben immer weniger. Dieter Lindauer liegt mit seiner Prognose, dass das ertragsstarke Gasgeschäft in den kommenden zehn Jahren um 30 bis 40 Prozent zurückgehen wird, ziemlich genau bei einer Studie, die vom VKU, dem Verband kommunaler Unternehmen, in Auftrag gegeben wurde. Und zwar noch vor Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine. Ähnlich der Strommarkt: Dezentrale Produktion, komplexe Produkte und zunehmender Wettbewerb können auch hier laut Studie für zweistellige Umsatzeinbußen sorgen. „Die Entwicklungen der kommenden Jahre werden für diejenigen Stadtwerke kritisch, die auf business as usual setzen“, heißt es. Was bedeutet: Der VKU ging zumindest damals, vor drei Jahren, noch davon aus, dass nicht alle Stadtwerke wie Neustadt und viele andere auf Zukunftssuche sind.</p>
<h6><strong>Glasfaser als Zukunftskonzept &#8211; auch für die Bilanz</strong></h6>
<p>Fast scheint es, als ob der VKU genau nach so etwas wie Ideenstadtwerken rufen würde. In Neustadt jedenfalls sollen die Erträge aus dem Glasfaser-Geschäft die Einbußen beim Gas wettmachen, soll in gut zehn Jahren das rund 60 Mio. Euro teure Netz abgeschrieben sein. Damit die Stadtwerke auch künftig im besten Fall der Stadt eine Dividende bringen, zumindest aber zum Beispiel das Schwimmbad finanzieren können. Und vor allem: die Selbstständigkeit der Stadtwerke garantieren: „Wir wollen nicht aufgekauft werden“, sagt Dieter Lindauer. Mit den Ideen ist man in Neustadt daher auch noch nicht durch. Wenn man sich schon Ideenstadtwerke als Dachmarke aussucht, dann ist das schon eine Selbstverpflichtung, dann muss man auch Ideen haben: Sagt Dieter Lindauer und spricht über die Möglichkeit, Computer-Abwärme zur Beheizung von Gebäuden zu nutzen. Müsste man mal untersuchen, aber: „Ich komm‘ nicht dazu.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/08/portraet-stadtwerke-neustadt/">Porträtiert: Stadtwerke Neustadt – Ideen für die Zukunft</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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