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	<title>IHK Hannover Archive - NW IHK</title>
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		<title>Verkaufsoffene Sonntage: Übersicht auf der IHK-Website</title>
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		<pubDate>Tue, 28 Jan 2025 11:31:09 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Rund 40 Termine für verkaufsoffene Sonntage 2025 in der IHK-Region Hannover von Alfed bis Uetze stehen aktuell in der IHK-Liste 2025, die jetzt online ist. Es beginnt mit Sonntagsöffnungen am 9. Februar in Bückeburg, gefolgt von Bad Pyrmont (2. März), Burgdorf (9. März), Neustadt (16. März) und Springe (30. März). Auch Ihr Termin soll erscheinen?  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2025/01/verkaufsoffene-sonntage-uebersicht-auf-der-ihk-website/">Verkaufsoffene Sonntage: Übersicht auf der IHK-Website</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Rund 40 Termine für verkaufsoffene Sonntage 2025 in der IHK-Region Hannover von Alfed bis Uetze stehen aktuell in der IHK-Liste 2025, die jetzt online ist. Es beginnt mit Sonntagsöffnungen am 9. Februar in Bückeburg, gefolgt von Bad Pyrmont (2. März), Burgdorf (9. März), Neustadt (16. März) und Springe (30. März).</p>
<p>Auch Ihr Termin soll erscheinen? Kontaktdaten dafür finden Sie ebenfalls auf der <a href="https://www.ihk.de/hannover/hauptnavigation/branchen/handel/standortinformationen/verkaufsoffene-sonntage-2022-5449302">IHK-Website</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>IHK startet Initiative gegen Bürokratie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[doermer.b]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Dec 2024 09:52:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Orientierung im Bürokratiedschungel und die Möglichkeit, ein Signal zu senden, wenn man sich im Regelungsdickicht verheddert: Beides ist jetzt online über die Website der IHK Hannover möglich. Am 23. Februar werden in Deutschland voraussichtlich Neuwahlen für den Deutschen Bundestag stattfinden. Ein zentrales Thema aus Sicht der deutschen Wirtschaft wird im aufziehenden Wahlkampf und für die  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/ihk-startet-initiative-gegen-buerokratie/">IHK startet Initiative gegen Bürokratie</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6>Orientierung im Bürokratiedschungel und die Möglichkeit, ein Signal zu senden, wenn man sich im Regelungsdickicht verheddert: Beides ist jetzt online über die Website der IHK Hannover möglich.</h6>
<div>
<p class="text">Am 23. Februar werden in Deutschland voraussichtlich Neuwahlen für den Deutschen Bundestag stattfinden. Ein zentrales Thema aus Sicht der deutschen Wirtschaft wird im aufziehenden Wahlkampf und für die neue Bundesregierung künftig ein konsequenterer Abbau von Bürokratie sein. Die IHK Hannover startet daher heute eine neue Initiative mit einem umfassenden kompakten Bürokratie-Guide als Orientierungshilfe für Unternehmen sowie einen Bürokratiemelder, über den Betriebe ihre konkreten Probleme mit bürokratischen Fesseln über die IHK auf die politische Agenda bringen können.</p>
<p>„Die Bürokratielasten, die von der regionalen Wirtschaft mittlerweile zu tragen sind, haben ein kritisches Ausmaß erreicht. In der angespannten konjunkturellen Lage sollten sich die Unternehmen mit voller Kraft auf ihr Kerngeschäft und die Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren können, statt sich um immer mehr Informations- und Berichtspflichten, Aufbewahrungsfristen und Nachweise kümmern zu müssen“ sagt Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover.</p>
<p>Der neue Bürokratie-Guide auf der Website der IHK Hannover bietet unter <a title="externer Link" href="http://www.hannover.ihk.de/buerokratieguide" target="_blank" rel="noopener" data-linktypeicon="CMExternalLink">www.hannover.ihk.de/buerokratieguide</a> ab sofort eine kompakte Übersicht und Orientierung, welche Branchen aktuell mit welchen bürokratischen Regulierungen konfrontiert sind. Die Auflagen und Berichtspflichten speisen sich nicht allein aus den regulatorischen Vorgaben aus Berlin, sondern beinhalten auch Vorgaben aus Brüssel, beispielhaft die neuen und umfangreichen Berichts- und Dokumentationspflichten im Zuge des Green Deal der EU gegenüber. Von einer One-In-One-Out-Praxis, die bei der Einführung einer neuen Regulierung eine alte Belastung zurücknimmt, kann in der heutigen Praxis noch keine Rede sein. Im Ergebnis kommen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen zunehmend an ihre Grenzen.</p>
<p>In den kommenden drei Monaten wird die Wirtschaft ihre Erwartungen an die künftige Bundesregierung in Berlin formulieren. Damit eröffnet sich der regionalen Wirtschaft jetzt auch die Chance, ihre größten Bürokratie-Ärgernisse am konkreten Beispiel im eigenen Unternehmen über die IHK in den politischen Diskurs einzubringen. Der neue IHK-Bürokratiemelder bietet unter <a title="externer Link" href="http://www.hannover.ihk.de/buerokratiemelder" target="_blank" rel="noopener" data-linktypeicon="CMExternalLink">www.hannover.ihk.de/buerokratiemelder</a> allen Betrieben dafür einen einfachen Zugang, um ihre Probleme zu benennen.</p>
<p>„Die IHK ist die Stimme für die regionale Wirtschaft, gerade im Vorfeld von Wahlen und politischen Umbrüchen. Am überzeugendsten kann Wirtschaft ihre Ziele in der Politik mit Positionen erreichen, die mit konkreten Problemen aus der betrieblichen Praxis unserer Unternehmen unterfüttert sind“, wirbt IHK-Hauptgeschäftsführerin Bielfeldt für die Beteiligung an der IHK-Initiative für Bürokratieabbau.</p>
</div>
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		<title>Kommentiert: Produktsicherheitsverordnung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[IHK]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2024 17:26:37 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Maike Bielfeldt]]></category>
		<category><![CDATA[Produktsicherheitsverordnung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Maike Bielfeldt, IHK-Hauptgeschäftsführerin, kommentiert: Wenn man die in der EU geltenden Rechtsnormen zur Produktsicherheit und zu Anforderungen an Produkte auf einer Seite darstellt, sieht das aus wie ein U-Bahn-Netz mit seinen Linien und Querverbindungen. Je nach Produkt findet man auf dieser Übersicht eine Route, die Station für Station zum Ziel führt: Konformität eines Produkts mit  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/endstation-bruessel/">Kommentiert: Produktsicherheitsverordnung</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h4><strong>Maike Bielfeldt,</strong> IHK-Hauptgeschäftsführerin, kommentiert:</h4>
<p>Wenn man die in der EU geltenden Rechtsnormen zur Produktsicherheit und zu Anforderungen an Produkte auf einer Seite darstellt, sieht das aus wie ein U-Bahn-Netz mit seinen Linien und Querverbindungen. Je nach Produkt findet man auf dieser Übersicht eine Route, die Station für Station zum Ziel führt: Konformität eines Produkts mit allen gesetzlichen Vorgaben.</p>
<p>So Netzplan dient der Orientierung, zeigt aber auch, wie komplex ein System ist. Und jetzt kommt noch ein neuer Streckenabschnitt hinzu: Seit wenigen Tagen gelten die Regeln der EU-Produktsicherheitsverordnung. Und zwar im Prinzip für alle Verbraucherprodukte. Mit neuen Pflichten für Herstellerunternehmen und für den Handel, insbesondere online. Erneut hat die EU damit ein äußerst kleinmaschiges Netz ausgeworfen. Denn betroffen sind auch kleine und kleinste Unternehmen, Gründerinnen und Gründer. Und gerade hier gibt es viele Fragen, sind die Befürchtungen groß. Das zeigen die vielen Anrufe und E-Mails, die in den vergangenen Wochen dazu in der IHK eingegangen sind. Risikoanalysen für jedes Produkt beim herstellenden Unternehmen, auch beim kleinsten: Selbst wer selbstgemachte Pullover herstellt, kann sich in den neuen Regelungen verstricken. Für Gründungen – gerade für kleine oder die als Einstieg besonders wichtigen im Nebenerwerb – ist das noch eine weitere Bürokratiehürde.</p>
<p>Auch die Informationspflichten für den Handel bringen jede Menge Arbeit – insbesondere, wenn zum Beispiel sehr viele Produkte angeboten werden: Was macht eine Online-Händlerin mit 5000 Produkten? Hinzu kommt das Risiko von Abmahnungen oder Bußgeldern, wenn nicht alle der neuen Vorgaben beachtet werden. Und was es bisher noch nie gab: Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher im Falle eines Produktrückrufs entschädigt werden müssen, dann mindestens auf der Basis des Kaufpreises und nicht etwa des Zeitwerts. Befürchtet wird außerdem, dass die Unternehmen durch die Herstellerinformationen ihre Lieferquellen offen legen, also für die Konkurrenz gläsern werden.</p>
<p>Die Wirtschaft, die Unternehmen, sehnen sich nach Entlastung von Bürokratie. Die IHK Hannover hat gerade erst eine Initiative dazu auf den Weg gebracht. Die Produktsicherheitsverordnung leistet keinen Entlastungsbeitrag. Ja, wir alle wollen sichere Produkte: Die Umsetzung in dieser Form lässt die Unternehmen allein, die versprochenen Guidelines fehlten, Kapazitäten werden gebunden, die für andere Aufgaben – etwa die Transformation – nicht mehr da sind. Nicht zuletzt treibt das alles<br />
auch die Preise, ist also inflationsfördernd.</p>
<p>Mag sein, dass die EU von einem anderen Unternehmensbild ausging: Je größer, desto leichter werden sich Unternehmen im Netzplan zur Produktsicherheit zurechtfinden. Für viele andere aber könnte es heißen: Endstation Brüssel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Kohle und Kinder: Was allein ein Brief hergibt</title>
		<link>https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/fundstueck-hurtzig-wirtschaftsarchiv/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[pohlmann.k]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 Dec 2024 14:22:29 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Das Fundstück: ein Brief. Es steht noch nicht einmal viel über Wirtschaft drin. Aber in ihm kreuzen sich die Lebenslinien von Menschen, von Unternehmern des 19. Jahrhunderts. Eine Firmengründung nahe am Wirtschaftskrimi kommt auch vor. Und ebenso spielt die IHK Hannover eine Rolle.   Lieber Freund, schreibt Fritz Hurtzig, und berichtet über erkrankte Kinder, die ein  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/fundstueck-hurtzig-wirtschaftsarchiv/">Kohle und Kinder: Was allein ein Brief hergibt</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Das Fundstück: ein Brief. Es steht noch nicht einmal viel über Wirtschaft drin. Aber in ihm kreuzen sich die Lebenslinien von Menschen, von Unternehmern des 19. Jahrhunderts. Eine Firmengründung nahe am Wirtschaftskrimi kommt auch vor. Und ebenso spielt die IHK Hannover eine Rolle.</strong></h6>
<h6><strong> </strong></h6>
<p>Lieber Freund, schreibt Fritz Hurtzig, und berichtet über erkrankte Kinder, die ein Treffen verhinderten. Sodann darüber, dass in Bantorf das Köhleflöz erreicht sei. Und, fast hätte er’s vergessen: Hurtzig ist erneut Vater geworden. Eine Tochter, so steht es am Rande des Briefes. Aufbewahrt wird er im Niedersächsischen Landesarchiv in Wolfenbüttel.</p>
<h6><strong>Ursprung der Ilseder Hütte</strong></h6>
<p>Oktober 1859: Gerichtet ist der Brief an Carl Haarmann. Beide, Hurtzig und Haarmann, haben gerade auf den Trümmern eines gescheiterten ersten Versuchs die Actien-Gesellschaft Ilseder Hütte aufgebaut, die zu den Wurzeln der heutigen Salzgitter AG gehört. Neben Eisenerz war man dabei auf Kohle angewiesen: Deshalb der Hinweis auf die Kohleförderung im Deister, auf Bantorf, wo die Zeche Antonie von dem Jahr an, in dem Hurtzig schrieb,  bis 1928 förderte.</p>
<h6><strong>Ein tragisches Kapitel</strong></h6>
<p>Fritz Hurtzig, Fabrikant aus Linden, trieb gemeinsam mit dem Celler Bankier Carl Hostmann bereits die Gründung der Bergbau- und Hüttengesellschaft zu Peine voran, des unseligen Vorläufers der Ilseder Hütte. Die Wirtschaftskrise 1858 ließ die hoch fliegenden Pläne abstürzen. Hostmann – ein vergessener Wirtschaftspionier, hieß es in der Niedersächsischen Wirtschaft schon vor vielen Jahren &#8211; verlor sein Vermögen, brachte sich um.</p>
<h6><strong>Öffentlicher Streit mit dem Onkel</strong></h6>
<p>Zuvor hatten die beiden sich offenbar wegen ihrer Bergbau- und Hüttenpläne aber auch eine handfeste Auseinandersetzung mit Georg Egestorff geliefert, der Jahre zuvor die Eisen-Giesserey und Maschinenfabrik Georg Egestorff, später Hanomag, gründete. Man kam sich in Gehege, zumindest bei der Deister-Kohle.</p>
<p>Aber steht nicht Egestorff &amp; Hurtzig, Linden vor Hannover, im Briefkopf? Hurtzig war, in der Tat, ein Neffe des hannoverschen Vielfach-Industriellen. Die Firma allerdings hatte ihren Namen von Hurtzigs Vater und seinem Großvater Johann Egestorff: Es war eine Zuckersiederei, zunächst auf der Grundlage importierten Rohrzuckers. Hurtzig hatte aber auch seine Hände im Spiel beim Aufbau  der Zuckerfabrik Neuwerk in Gehrden, die zu den frühen Ansätzen der Rübenzucker-Produktion im Raum Hannover gehört. Heute ist diese für Niedersachsen so prägende Industrie in der Nordzucker AG konzentriert – deren historisches Material im Niedersächsischen Wirtschaftsarchiv in Wolfenbüttel liegt.</p>
<h6><strong>Hannoversche Brotfabrik: Bis heute wird dort gebacken</strong></h6>
<p>Aber Hurtzig machte nicht nur in Zucker und Stahl: Er gründete die Habag, die Hannoversche Brotfabrik, heute Produktionsstandort der Bremer Harry-Gruppe. Und sein Name taucht auf bei den Anfängen der Hannoverschen Bank – deren Schriftzug an der Fassade der Deutsche-Bank-Filiale in Hannover steht.<a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" class="size-medium wp-image-24430 alignleft" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-66x66.jpg 66w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-150x150.jpg 150w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-200x200.jpg 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-300x300.jpg 300w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-400x400.jpg 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-600x600.jpg 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz-768x768.jpg 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/04/LogoStreifz.jpg 800w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p>Doch nicht nur das machte Fritz Hurtzig zum deutschlandweit rührigen Gesicht der Wirtschaft Hannovers. Der Unternehmer ist auf dem Bild zu sehen, das 1862 den bleibenden Ausschuß des Deutschen Handelstages zeigt, Ursprung der heutigen Deutschen Industrie- und Handelskammer. Und er engagierte sich für eine Wirtschaftsvertretung im Königreich Hannover. Das gelang – aber erst nach der preußischen Annektion, 1867 wurde Fritz Hurtzig erster Präsident der Handelskammer, später IHK Hannover.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/08/fundstuecke/">Alle Fundstücke</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Auch Sie hüten Schätze aus Niedersachsens Wirtschaftsgeschichte? Wenden können Sie sich an das Niedersächsische Wirtschaftsarchiv, Forstweg 2, 38302 Wolfenbüttel, Tel. 05531 935-0, <a href="mailto:wolfenbuettel@nla.niedersachsen.de">wolfenbuettel@nla.niedersachsen.de</a></strong></p>
<p><a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/02/niedersaechsisches-wirtschaftsarchiv/">Mehr zum Wirtschaftsarchiv</a></p>
<p><a href="http://www.ndswa.de">www.ndswa.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/fundstueck-hurtzig-wirtschaftsarchiv/">Kohle und Kinder: Was allein ein Brief hergibt</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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		<title>Keine Diskrimierung bei HIV: #positivarbeiten</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Dec 2024 13:31:59 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zum Welt-Aids-Tag Anfang Dezember ein Beitrag von Dr. Andreas Philippi, Niedersachsens Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit. Sein Anliegen: ein respektvoller und diskriminierungsfreier Umgang mit HIV-positiven Menschen auch im Berufsleben. "Als niedersächsischer Gesundheits- und Arbeitsminister setze ich mich dafür ein, dass auch Menschen mit chronischen Erkrankungen am Erwerbsleben teilhaben können, ohne im Berufsalltag Ausgrenzung oder  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/andreas-philippi-positivarbeiten/">Keine Diskrimierung bei HIV: #positivarbeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h4><strong>Zum Welt-Aids-Tag Anfang Dezember ein Beitrag von Dr. Andreas Philippi, Niedersachsens Minister für Soziales, Arbeit und Gesundheit. Sein Anliegen: ein respektvoller und diskriminierungsfreier Umgang mit HIV-positiven Menschen auch im Berufsleben.<br />
</strong></h4>
<p>&#8222;Als niedersächsischer Gesundheits- und Arbeitsminister setze ich mich dafür ein, dass auch Menschen mit chronischen Erkrankungen am Erwerbsleben teilhaben können, ohne im Berufsalltag Ausgrenzung oder zusätzliche Belastungen zu erfahren.</p>
<p>Das gilt auch und gerade für Menschen, die HIV-positiv sind. Jährlich gedenken wir am Welt-Aids-Tag am 1. Dezember der vielen Menschen, die den Kampf gegen diese Krankheit verloren haben. Aber es gibt auch gute Nachrichten. Der medizinische Fortschritt hat dazu beigetragen, dass eine HIV-Diagnose heute kein Todesurteil mehr ist.</p>
<p>Doch auch heute stecken sich jährlich in Deutschland noch mehrere Tausend Menschen mit dem HI-Virus an. Für sie ändert sich der Alltag oft dramatisch. Während sie auf der einen Seite lernen müssen, ihr Leben mit einer chronischen Erkrankung zu meistern, erfahren sie zudem oft Stigmatisierung von Anderen, die sich vor einer Ansteckung fürchten.</p>
<p>Aber diese Sorge ist unbegründet: Ein Übertragungsrisiko besteht im Berufsalltag nicht. Bei einer wirksamen Therapie ist HIV überhaupt nicht übertragbar. Hier brauchen wir deutlich mehr Aufklärungsarbeit, damit Betroffene nicht im Kreise der Kolleginnen und Kollegen ausgegrenzt werden. Angst und Scham belasten nicht nur psychisch, sie können sich auch negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirken.</p>
<p>Deshalb habe ich mich dafür eingesetzt, dass das Land Niedersachsen die Deklaration #positivarbeiten unterzeichnet. Die Deklaration #positivarbeiten ist eine Initiative der Deutschen Aidshilfe, mit der sich Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen sichtbar gegen Diskriminierung stellen und sich aufgeklärt für einen respektvollen Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben einsetzen.</p>
<p>Mit Zeichnung der Deklaration beweist das Land Niedersachsen, dass wir als Arbeitgeber ein Bewusstsein für die Gesundheit unserer Mitarbeitenden haben.</p>
<p>Es geht um Respekt und Solidarität: „Menschen mit HIV können heute leben und arbeiten wie alle anderen Menschen. Mit dieser Deklaration machen wir deutlich: Bei uns sind HIV-positive Mitarbeiter*innen willkommen. Bei Diskriminierung schreiten wir ein und fördern ein offenes und respektvolles Miteinander“, heißt es in der Deklaration. Über 40 Unternehmen, Behörden und Institutionen haben sich – neben der Landesregierung – dieser Deklaration angeschlossen.</p>
<p>Werden auch Sie ein Teil dieser Bewegung und schließen Sie sich an:<br />
Für einen diskriminierungsfreien Umgang mit dieser chronischen Krankheit am Arbeitsplatz. &#8220;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen zu HIV finden Sie unter:<br />
<a href="http://www.niedersachsen.aidshilfe.de/de">www.niedersachsen.aidshilfe.de/de</a></p>
<p>Zur Deklaration geht es unter:<br />
<a href="http://www.aidshilfe.de/positivarbeiten#mitmachen-und-kontakt">www.aidshilfe.de/positivarbeiten#mitmachen-und-kontakt</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/andreas-philippi-positivarbeiten/">Keine Diskrimierung bei HIV: #positivarbeiten</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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		<title>Vom &#8222;Spirit&#8220; der Sozialen Marktwirtschaft</title>
		<link>https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/spirit-soziale-marktwirtschaft/</link>
		
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		<pubDate>Fri, 06 Dec 2024 15:37:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Gut sechs Wochen war eine Ausstellung zu den Anfängen der Sozialen Sozialen Marktwirtschaft in der IHK Hannover zu sehen. Zum Abschluss kamen der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Nils Goldschmidt und Hannovers Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr in die IHK. Der Geist, der „Spirit“ der Sozialen Marktwirtschaft: Mit Dr. Petra Bahr war es eine Theologin, die in der  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/12/spirit-soziale-marktwirtschaft/">Vom &#8222;Spirit&#8220; der Sozialen Marktwirtschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Gut sechs Wochen war eine Ausstellung zu den Anfängen der Sozialen Sozialen Marktwirtschaft in der IHK Hannover zu sehen. Zum Abschluss kamen der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Nils Goldschmidt und Hannovers Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr in die IHK.<br />
</strong></h6>
<p>Der Geist, der „Spirit“ der Sozialen Marktwirtschaft: Mit Dr. Petra Bahr war es eine Theologin, die in der IHK Hannover genau daran erinnerte. Ausgerechnet – oder ungewöhnlicherweise – eine Theologin? Kein, keineswegs. Denn schließlich hat die Soziale Marktwirtschaft eine „Tiefengrammatik“, sagte Bahr, die von Ideen aus beiden großen Kirchen gespeist ist. Auch wenn sich manche heute fragten, wo diese Tiefengrammatik denn noch zu erkennen sei.</p>
<p>Bahr, Regionalbischöfin in Hannover und Mitglied des Deutschen Ethikrates, sprach anlässlich einer Ausstellung zur Sozialen Marktwirtschaft, die über <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/10/soziale-marktwirtschaft/">mehrere Woche in der IHK Hannover zu sehen war</a> und jetzt zu Ende ging. Die Theologin setzte dabei noch vor dem Urknall der Sozialen Marktwirtschaft an: Der war zu hören, als Alfred Müller-Armack irgendwann 1946 auf der Treppe eines westfälischen Klosters ausrief, wie es heißen muss: „Soziale Marktwirtschaft, Sozial mit großem S“.</p>
<h6><strong>Suche nach einem Neubeginn</strong></h6>
<p>Doch schon in den Jahren davor, noch während des Krieges, trafen sich Kreisau, in Freiburg Menschen, die über eine Zukunft Deutschlands nach der nationalsozialistischen Diktatur nachdachten.  Dabei ging es Bahr, wenig überraschend, nicht um die ordnungspolitischen Grundsätze, wie sie vor allem im Freiburger Kreis entwickelt wurden, und ihre Bedeutung in der Sozialen Marktwirtschaft. Sondern um das, was die Männer und Frauen damals antrieb: Auf den Trümmern eines auch moralisch völligen Zusammenbruchs nach Ideen für einen Neuanfang zu suchen, und das nicht nur mit Kraft und Fantasie, sondern auch mit einem Höchstmaß an persönlicher Risikobereitschaft.</p>
<p>Dieser Gedanke vom „Spirit“ der Sozialen Marktwirtschaft kam an im IHK-Plenarsaal. Bei allem Unbehagen für eine unzureichende ökonomische Bildung, über die Darstellung von Wirtschaft in der Öffentlichkeit als „Täter“, von Unternehmerinnen und Unternehmern, die – so Petra Bahr – in Medien grundsätzlich „diskreditierungsfähig“ seien: IHK-Präsident Gerhard Oppermann machte deutlich, gerichtet (nicht nur) an die Teilnehmenden im IHK-Plenarsaal, dass sie alle in der Pflicht stünden, um dieses Bild geradezurücken.</p>
<p>Der Impuls von Petra Bahr machte aber noch ein weiteres deutlich: Wie sinnvoll ein Dialog zwischen unterschiedlichen Bereichen auch heute sein kann. Am Beginn der Sozialen Marktwirtschaft war die Verbindung zwischen kirchlich-werteorientiertem und ökonomischen Vorstellungen allein durch die handelnden Personen untrennbar – Müller-Armack zum Beispiel war (auch) Religionssoziologe, der Freiburger Kreis mit der Bekennenden Kirche verbunden.</p>
<h6><strong>Subsidiarität: Auf der richtigen Ebene bleiben</strong></h6>
<p>Stark geprägt von der katholischen Soziallehre ist ein Begriff, den Petra Bahr in ihrem Vortrag besonders hervorhob: Subsidiarität. Verbunden ist dieser Begriff besonders mit Oswald von Nell-Breuning. Der Jesuit, in aller Regel als Nestor der katholischen Soziallehre bezeichnet, schrieb ihn 1931 seinem Papst Pius XI. in dessen Enzyklika zu Wirtschaft und Gesellschaft.</p>
<p>Heute ist Subsidiarität nicht nur in den Soziallehren beider christlicher Kirchen verankert, sondern auch in den Grundsätzen der Europäischen Union. Ganz leicht zu erklären ist Subsidiarität nicht – hier nur so viel: Entscheidungen sollen auf der Ebene der jeweils Betroffenen fallen; der Staat ist nur für solche Aufgaben zuständig, die nicht von kleineren Einheiten bewältigt werden können, bis hinunter zur Familie.</p>
<p>Nur: Wird Subsidiarität auch gelebt? Petra Bahr beschrieb einen „heimlichen Trend zur Verstaatlichung ehemals subsidiär geplanter Bereiche.“ Was sie meint, lässt sich, das Subsidiaritätsprinzip vor Augen, wohl so beschreiben: Entscheidungen und Vorgaben werden im wahrsten Sinnen von oben herab getroffen, über die Köpfe de jeweils Betroffenen hinweg. Was zwar zu komplizierten Regeln, aber jedenfalls nicht zu deren Akzeptanz führen mag.</p>
<p>Dieser Trend, die Verlagerung von Verantwortung auf leisen Sohlen auf die nächsthöheren Ebene, werde zu wenig thematisiert,  sagt Bahr, führe aber zu hausgemachten Problemen: „Dazu braucht man keine Krisen.“ Und man denkt unwillkürlich an Regelungswut und überbordende Bürokratie.</p>
<h6><strong>Argumente von anderer Seite</strong></h6>
<p>Unter kaum etwas leiden Unternehmen in Deutschland gerade mehr als unter einem Übermaß an Regulierung. Subsidiarität ist eine Leitlinie, um das Vordringen des Staates in alle möglichen Lebensbereiche zu verhindern. Zum Argument, dass ein Abbau von Bürokratie allein deshalb nötig ist, weil sie in Unternehmen eine Wachstumsbremse ist, kommt damit ein weiteres hinzu: Wenn man Subsidiarität als Baurichtlinie einer dem Menschen dienenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung nimmt, führt das zu weniger Komplexität und damit zu mehr Freiheit führt.</p>
<p>Und Freiheit ist schließlich einer der beiden Pole, zwischen denen die Soziale Marktwirtschaft balanciert. „Sinn der Sozialen Marktwirtschaft ist es , das Prinzip der Freiheit auf dem Markte mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden“, formulierte schon Alfred Müller-Armack. Und bereits Anfang 1947 hieß es im Geschäftsbericht der IHK Hannover unter dem Stichwort „beste Wirtschaftsform“, das sei eine „Synthese zwischen freier Initiative und sozialem Willen.“</p>
<h6><strong>Neue Herausforderungen</strong></h6>
<p>So die Anfänge. Heute jedoch stellen sich andere Aufgaben als in den frühen Jahren der Sozialen Marktwirtschaft. Klimawandel, Digitalisierung, Zukunft der Arbeit. Was alles andere bedeutet, als dass man unvermeidlich Menschen einschränken muss. Vielmehr geht es darum: „Spielregeln verändern, ohne dass wir den Menschen die Freiheit nehmen“, erklärte in Hannover der Ökonom Professor Dr. Nils Goldschmidt, unter anderem Vorsitzender der <a href="https://www.asm-ev.de/">Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft</a>. Verbieten und ersetzen, selbst predigen – das habe alles seine Berechtigung, wenn man gesellschaftliche Ziele erreichen wolle, so Goldschmidt, der auch Theologe ist und außerdem einer von Petra Bahrs Kollegen im Deutschen Ethikrat. Aber zu einer freiheitlichen (Markt-)Ordnung passt eben eine CO<sub>2</sub>-Bepreisung und nicht ein Verbot.</p>
<h6><strong>Plädoyer gegen Radikalität</strong></h6>
<p>Goldschmidt hielt in Hannover ein Plädoyer gegen Radikalität. Das ist umso aktueller, als gerade jetzt radikale Ansätze wieder Konjunktur haben, für die Wirtschaft insgesamt oder auch zum Abbau der Bürokratie. Angesichts solcher Vorbilder ist an verschiedenen Stellen die Diskussion aufgebrochen, wie solche freien Radikale zur Sozialen Marktwirtschaft passen. Der Wirtschaftsethiker empfiehlt Augenmaß statt Radikalität, „der Mittelweg ist eben nicht der Tod.“ Radikale Probleme erforderten eben nicht unbedingt radikale Lösungen. Aber eben die richtigen Spielregeln, „nämlich solche, die dem Menschen dienlich sind.“</p>
<p>Denn der Mensch steht im Mittelpunkt der Sozialen Marktwirtschaft. Jeden und jede zu befähigen, einen Platz in der Gesellschaft zu finden: Das sei das Ziel, so Nils Goldschmidt, der den berühmten Titel eines Buches von Ludwig Erhard in einer klaren Betonung verstanden wissen will: Nicht „<strong>Wohlstand</strong> für alle“, sondern „Wohlstand für <strong>alle</strong>“.</p>
<p>Und bei der Befähigung von Menschen, das durfte zum Abschluss der Ausstellung nicht unerwähnt bleiben, hat die IHK ihre besondere Rolle. Darauf wies Maike Bielfeldt hin, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hannover. Berufliche Bildung, und zwar passend zu den aktuellen Anforderungen: Das ist eine Kernkompetenz der IHK: von der Lehre über die Fort- und Weiterbildung bis zur Anpassung und Ergänzung von Qualifikationen – und damit Menschen ermöglichen, auch heute ihren Platz in der Sozialen Marktwirtschaft zu finden.</p>
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		<title>Nils Goldschmidt: Soziale Marktwirtschaft fällt nicht vom Himmel</title>
		<link>https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[pohlmann.k]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Nov 2024 14:05:12 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Zukunftskonzept, dass aber immer neu justiert werden muss: Soziale Marktwirtschaft: Das Engagement braucht, und in das man investieren muss. Sagt Professor Nils Goldschmidt, unter anderem Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft im NW-Interview. Herr Professor Goldschmidt, haben wir uns eigentlich in Deutschland so sehr an die Soziale Marktwirtschaft gewöhnt, dass man daran erinnern muss, was  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-1/">Nils Goldschmidt: Soziale Marktwirtschaft fällt nicht vom Himmel</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Ein Zukunftskonzept, dass aber immer neu justiert werden muss: Soziale Marktwirtschaft: Das Engagement braucht, und in das man investieren muss. Sagt Professor Nils Goldschmidt, unter anderem Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft im NW-Interview. </strong></h6>
<p><strong>Herr Professor Goldschmidt, haben wir uns eigentlich in Deutschland so sehr an die Soziale Marktwirtschaft gewöhnt, dass man daran erinnern muss, was wir an ihr haben? Und ist das der Grund, weshalb Sie mit der Ausstellung zur Sozialen Marktwirtschaft, die aktuell in der IHK Hannover zu sehen ist, in Deutschland unterwegs sind?</strong></p>
<p><strong>Goldschmidt: </strong>Das ist sicherlich einer der der wesentlichen Gründe. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir nicht nur rückblickend an die Soziale Marktwirtschaft erinnern, sozusagen aus Respekt vor ihr. Sondern wir müssen uns wieder mehr und mehr klar machen, dass die Soziale Marktwirtschaft eine Ressource ist. Eine Ressource, die wir für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung, aber auch für den sozialen Zusammenhalt brauchen.</p>
<p>Soziale Marktwirtschaft als Ressource zu verstehen, bedeutet auch, dass wir in sie investieren müssen. Wir brauchen wieder mehr ein Gespür dafür, dass Soziale Marktwirtschaft etwas ist, was uns allen gut tut und uns ermöglicht, in einer freien und in einer sozial ausgewogenen Gesellschaft zu leben.</p>
<div id="attachment_26612" style="width: 310px" class="wp-caption alignleft"><a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-26612" class="size-medium wp-image-26612" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web-200x150.jpg 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web-300x225.jpg 300w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web-400x300.jpg 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web-600x450.jpg 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web-768x576.jpg 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web-800x600.jpg 800w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Sitzgruppe_web.jpg 1000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-26612" class="wp-caption-text">Das Bild Müller-Armacks in einer historischen Sitzgruppe als Teil der Ausstellung zur Sozialen Marktwirtschaft.</p></div>
<p>Die Ausstellung, mit der wir in Deutschland unterwegs sind, soll helfen, dies deutlich zu machen. Aber eben nicht nur, um die Soziale Marktwirtschaft zu polieren und zu zeigen, wie schön sie doch ist. Sondern um zu verstehen, dass sie etwas ist, das gerade junge Menschen immer wieder neu erlernen müssen. Soziale Marktwirtschaft fällt nicht vom Himmel, sondern ist etwas, in das wir immer neu investieren müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aber zunächst mal schlicht und ergreifend die Frage: Wer sollte die Ausstellung in der IHK besuchen?</strong></p>
<p><strong>Goldschmidt: </strong>Wie ich gerade schon angedeutet habe: Es geht uns darum, insbesondere junge Menschen für die Soziale Marktwirtschaft zu begeistern, ihnen ein Gespür für dieses Konzept zu geben. Wir haben die Ausstellung so konzipiert, dass man sie als Schulklasse besuchen kann. Wir haben Lehr- und Lernmaterialien entwickelt, so dass ein Lehrer, eine Lehrerin im Vorfeld den Besuch vorbereiten kann. Aber natürlich: Die Ausstellung ist offen für jeden und für jede – bis hin zu allen, die vielleicht sogar die Anfangszeiten der Sozialen Marktwirtschaft noch miterlebt haben. Oder die in den 60er, 70er und 80er Jahren in ihr groß geworden sind.</p>
<p>Wir wollen verständlich machen, dass die Soziale Marktwirtschaft ein großartiges Konzept ist. Und eines, das auch sehr erfolgreich war und ist.</p>
<p>Denn es gibt gar nicht so viele ökonomische Systeme, die sich derart erfolgreich durchgesetzt und etabliert haben wie die Soziale Marktwirtschaft. Das zu erleben und zu verstehen, ist wichtig für alle. Aber natürlich insbesondere für diejenigen, die jetzt in diese Soziale Marktwirtschaft, die in unsere Gesellschaft und Wirtschaftsordnung hineinwachsen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Ich bin mit dem Begriff Soziale Marktwirtschaft aufgewachsen und habe ihn sozusagen verinnerlicht. Aber erst jetzt, im Zusammenhang mit der Ausstellung, habe ich gemerkt, wie wenig konkret ich mich damit beschäftigt habe. Also mit der Frage: Was macht denn die Soziale Marktwirtschaft eigentlich aus? Man findet natürlich Antworten: Zunächst, also in den 50er und 60er Jahren, waren es die Themen Bildung, Vermögensaufbau, Wohneigentum. Dann später das Stabilitätsgesetz mit der Festschreibung des magischen Vierecks – Wachstum, Arbeitslosigkeit, Inflation und Außenhandelsbilanz. Aber was gehört aus heutiger Sicht dazu?</strong></p>
<p><strong>Goldschmidt: </strong>Trotz aller unterschiedlichen Herausforderungen, die jede Zeit mit sich bringt, hat die Soziale Marktwirtschaft einen stabilen Kern: Es geht um die Freiheit der Menschen. Es geht um die Möglichkeiten der Menschen. Und es geht um die Befähigung von Menschen.</p>
<p>Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass wir Rahmenbedingungen beziehungsweise Spielregeln gestalten, innerhalb derer sich der Mensch frei entfalten kann.</p>
<p>Natürlich: Die Probleme der 50er, der 60er und 70er Jahre sind andere, als wir sie heute haben. Nach dem Krieg war es zunächst wesentlich, den Wiederaufbau zu regeln und die Kriegsfolgen zu stemmen. Hierfür war ein gewisses Maß an Umverteilung und der Ausbau sozialer Sicherheit notwendig. Heute sind es andere Fragen nach dem Klimawandel, der Digitalisierung und dem demografischen Wandel. Aber ich glaube, dass die Soziale Marktwirtschaft auch Antworten auf diese neuen Fragen hat.</p>
<p>Die sind aber nicht vorgefertigt. Die Soziale Marktwirtschaft ist eine Versuchsvorschrift, die sagt, wie man vorgehen sollte, um Antworten auf neue Herausforderungen zu finden. Die Grundidee ist dabei: Wir greifen nicht in die Märkte ein, aber wir bauen Leitplanken für den Markt, für die Wirtschaft, so dass die Ziele erreicht werden, die wir erreichen wollen. Wenn wir das Ziel haben, den Klimawandel zu begrenzen und die ökologische Krise abzuwenden oder einzudämmen, soweit es überhaupt noch möglich ist, dann müssen wir uns überlegen:</p>
<p>Was sind gute Regeln? Zum Beispiel die Einführung einer funktionierenden CO<sub>2</sub>-Steuer oder Emission von CO<sub>2</sub>-Zertifikaten, wie wir sie ja zum Teil auf europäischer Ebene schon haben. In gleicher Weise müssen wir uns überlegen, wie wir mit den planetaren Grenzen umgehen, also beispielsweise mit exzessivem Landverbrauch. Immer geht es darum, über Spielregeln nachzudenken.</p>
<p>Was aber der konkrete Inhalt dieser Spielregeln ist, das hängt von den konkreten Bedingungen ab und von den Herausforderungen der jeweiligen Zeit. Und die wandeln sich. Aber der Gedanke: Wir gestalten Spielregeln und greifen nicht in den Markt ein, das ist der bleibende, überzeitliche Kern der Sozialen Marktwirtschaft.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Es gibt in Hannover ein Projekt, an dem die Continental AG als Technologiekonzern beteiligt ist, aber auch die IHK. Dabei geht es darum, Menschen zu qualifizieren, insbesondere auch angesichts des digitalen Wandels, angesichts einer umfassenden Transformation. Und zu sagen, welche Qualifikationen werden künftig benötigt und wie kriegt man es hin? Und man lässt die Menschen nicht alleine, sondern schafft Einrichtungen, in denen diese Bildungsqualifikationen erlernt werden können. Ist das zum Beispiel auch so ein Ausfluss dieses Gedankens der Sozialen Marktwirtschaft, der so ein bisschen verinnerlicht ist, der aber tatsächlich dazugehört?</strong></p>
<p><strong>Goldschnmidt:</strong> Definitiv. Bildung ist ein zentrales Element in der sozialen Marktwirtschaft. Deren Vordenker haben immer betont, dass es darum geht, Menschen zu bilden. Oder wie man heute sagen würde, im Anschluss an Amartya Sen und Martha Nussbaum (der eine Ökonomie-Nobelpreisträger, die andere ebenfalls vielfach ausgezeichnete Ethikerin, Anm. d. Red), es geht um Befähigung. Es geht darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, ein gutes Leben mit guten Gründen zu führen. Also nicht nur darum, dass wir formal alle gleich sind und gleiche Freiheiten haben. Sondern darum, dass der Mensch auch die Möglichkeit hat, diese Freiheit zu nutzen. Und dafür brauchen wir Bildung.</p>
<div id="attachment_26619" style="width: 310px" class="wp-caption alignright"><a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1.jpg"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-26619" class="size-medium wp-image-26619" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1-200x150.jpg 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1-300x225.jpg 300w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1-400x300.jpg 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1-600x450.jpg 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1-768x576.jpg 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1-800x600.jpg 800w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-1.jpg 1000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a><p id="caption-attachment-26619" class="wp-caption-text">Loriot wirbt für die Soziale Marktwirtschaft: Bildung ist die Grundlage.</p></div>
<p>Das Konzept der Dualen Berufsausbildung, wie wir es in Deutschland etabliert haben, ist ganz eng verknüpft mit der Sozialen Marktwirtschaft. Es geht eben nicht darum, Menschen nur im Sinne eines mechanischen Aktors zu qualifizieren, damit er dann gut eingesetzt werden kann. Sondern es geht darum, Menschen so umfassend zu qualifizieren, dass sie selbst den Eindruck haben, ein gutes, ein gewinnbringendes, ein erfüllendes Leben führen zu können.</p>
<p>Zugleich  ist es auch ist es für die wirtschaftliche Seite der Sozialen Marktwirtschaft wesentlich, dass wir gut ausgebildete Menschen haben. Gut ausgebildete Menschen sind im Zweifel kreativer, haben Ideen, können neue Dinge einbringen. Und das ist natürlich einer der Motoren unserer Wirtschaft: Markt und Wettbewerb führen dazu, dass Innovationen entstehen. Aber dafür brauchen wir auch qualifizierte Menschen, die dahinter stehen. Deswegen ist auch ökonomisch Bildung ganz zentral. Und wenn wir sehen &#8211; und das ist sicherlich eine der großen Leerstellen unserer Sozialen Marktwirtschaft &#8211; wie groß die Bildungskluft ist zwischen jungen Menschen, die aus sozioökonomisch guten und sozioökonomisch eher schlechter gestellten Haushalten kommen, immer noch ist, dann haben wir da eine ganz große Aufgaben: Neu über Bildung nachdenken und Chancen ermöglichen gerade auch für diejenigen, die schwierige Startbedingungen haben.</p>
<p>Wenn man sieht, dass von Kindern, die aus schwierigeren sozioökonomischen Verhältnissen kommen, um die 20 Prozent Abitur machen und das die Quote bei denjenigen, die aus guten sozioökonomischen Haushalten kommen, bei 80 Prozent liegt, dann haben wir eine massive Schieflage. Hier zu investieren, Chancengerechtigkeit herzustellen: Ich glaube, das ist eine ganz entscheidende Stellgröße der Sozialen Marktwirtschaft.</p>
<p>Und wenn ich einen Satz noch anfügen darf: Das bekannte Buch von Ludwig Erhard, 1957 erschienen, trägt den Titel „Wohlstand für alle“. Aus meiner Sicht eine Frage der Betonung: Eben nicht primär <strong>Wohlstand</strong> für alle, sondern Wohlstand für <strong>alle</strong>. Davon spricht Ludwig Erhard auch zu Beginn: Es geht um die Sozialisierung von Fortschritt und Gewinn. Sozialisierung in dem Sinne, das jeder Mensch seinen Anteil am wirtschaftlichen Erfolg haben soll. Das ist das Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft. Es geht um jeden einzelnen und jede einzelne: Alle sind wichtig. Und deswegen müssen wir uns auch dafür einsetzen, dass jeder die Möglichkeit bekommt, tatsächlich ein gutes Leben führen zu können.</p>
<p>Wettbewerbsfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft, ethische Grundlage und eine frühe Rolle der IHK Hannover: <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-2/">Hier der zweite Teil des Interviews mit Nils Goldschmidt.</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<h6><strong><a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-26615 alignleft" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web-200x300.jpg 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web-400x600.jpg 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web-600x900.jpg 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web-683x1024.jpg 683w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web-768x1152.jpg 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web-800x1200.jpg 800w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Nils_Goldschmidt_hoch_web.jpg 1000w" sizes="(max-width: 200px) 100vw, 200px" /></a>Dr. Nils Goldschmidt (54) ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Siegen und beschäftigt sich dort unter anderem mit ökonomischer Bildung. Studiert hat er in Freiburg neben VWL auch Theologie. Seit rund zehn Jahren ist er Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft in Tübingen. Er wurde in diesem Jahr in den <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/10/goldschmidt-ethikrat/">Deutschen Ethikrat</a> berufen und ist einer der beiden ersten Wirtschaftswissenschaftler in diesem Gremium.</strong></h6>
<h6 class="fusion-responsive-typography-calculated" data-fontsize="18" data-lineheight="27px"><strong>Am 2. Dezember ist Nils Goldschmidt zu Gast in der IHK Hannover, gemeinsam mit Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr. Beide sind Mitglieder des Deutschen Ethikrates. Mehr zu dieser Veranstaltung finden Sie <a href="https://event.hannover.ihk.de/soziale-marktwirtschaft" data-auto-event-observed="true">hier</a>.</strong></h6>
<p>&nbsp;</p>
<p><!-- /wp:paragraph --></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-1/">Nils Goldschmidt: Soziale Marktwirtschaft fällt nicht vom Himmel</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Investieren in den sozialen Zusammenhalt</title>
		<link>https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[pohlmann.k]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Nov 2024 13:45:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Featured Startseite]]></category>
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		<category><![CDATA[Aktionsgemeinschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Noch bis zum 6. Dezember ist in der IHK Hannover eine Ausstellung zur Sozialen Marktwirtschaft zu sehen. Zusammengestellt wurde sie von der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft. Deren Vorsitzender Professor Dr. Nils Goldschmidt äußert sich im zweiten Teil des NW-Interviews zur Konkurrenzfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft angesichts neuer Systemkonkurrenz und zur Ethik in der Wirtschaft. Am 2. Dezember  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-2/">Investieren in den sozialen Zusammenhalt</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Noch bis zum 6. Dezember ist in der IHK Hannover eine Ausstellung zur Sozialen Marktwirtschaft zu sehen. Zusammengestellt wurde sie von der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft. Deren Vorsitzender Professor Dr. Nils Goldschmidt äußert sich im zweiten Teil des NW-Interviews zur Konkurrenzfähigkeit der Sozialen Marktwirtschaft angesichts neuer Systemkonkurrenz und zur Ethik in der Wirtschaft.<br />
Am 2. Dezember ist Nils Goldschmidt zu Gast in der IHK Hannover, gemeinsam mit Regionalbischöfin Dr. Petra Bahr. Beide sind Mitglieder des Deutschen Ethikrates. Mehr zu dieser Veranstaltung finden Sie <a href="https://event.hannover.ihk.de/soziale-marktwirtschaft">hier</a>.<br />
</strong></h6>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Herr Professor Goldschmidt, im ersten Teil des Interviews haben Sie gesagt: Die Soziale Marktwirtschaft war ein absolutes Erfolgsmodell, sie ist eine Ressource. Aber jetzt gibt es ja auch neue Konkurrenz, insbesondere zum Beispiel die sehr stark gelenkten Marktwirtschaften wie insbesondere China. Ist die Soziale Marktwirtschaft da konkurrenzfähig?</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Goldschmidt: </strong>Aber sicherlich! Natürlich kann ich, im Scherz gesprochen, als Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Soziale Marktwirtschaft auch nichts anderes sagen. Aber wir müssen, glaube ich, zwei Dinge auseinanderhalten. Der Aufstieg Chinas ist zum einen auch eine Erfolgsgeschichte der Marktwirtschaft. Die Öffnung hin zu Märkten hat dazu geführt, dass dort heute weniger als ein Prozent der Bevölkerung in absoluter Armut lebt. Mitte der 80er Jahre waren es noch über 40 Prozent. Und das ist für jeden einzelnen Menschen wichtig, der aus dieser absoluten Armut herausgekommen ist. Es ist aber nicht ein Erfolg der staatlichen Lenkung, sondern es ist ein Erfolg der Öffnung hin zur Marktwirtschaft.</p>
<p>Zum anderen: China hat ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf, das noch ungefähr bei einem Drittel dessen liegt, was wir in Deutschland haben. Wenn sich ein Land entwickelt, wenn Menschen besser ausgebildet werden, wenn Menschen auch reicher werden und ganz andere Möglichkeiten haben, dann bin ich eigentlich ganz hoffnungsfroh, dass sich ein Modell wie die Soziale Marktwirtschaft als das überlegenere erweisen und eingefordert wird. Es geht mit Blick auf den Menschen eben immer auch um deren personale Würde, dass Menschen nicht als bloßer Produktionsfaktor gesehen werden. Wir dürfen uns nicht blenden und zu sehr verunsichern lassen von Entwicklungslinien, die scheinbar ein Erfolg sind, aber letztendlich nicht den Weg in Richtung Sozialer Marktwirtschaft, die wirtschaftlichen Erfolg mit Menschenwürde verbindet, gehen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Sie sind nicht nur Volkswirt, sondern auch Theologe. Als die Soziale Marktwirtschaft entstand, haben die christliche Soziallehre und der Ordoliberalismus zusammengewirkt. Ist so eine Verbindung heute noch relevant in einer immer säkulareren Umgebung und bei einer schwindenden Bedeutung der Kirchen?</strong></p>
<p><strong>Goldschmidt: </strong>Auf jeden Fall. Die Bedeutung des Christentums war für die Herausbildung der Sozialen Marktwirtschaft sicherlich bedeutsam. Wir müssen, obwohl ich katholischer Theologe bin, aber anerkennen, dass es insbesondere der protestantische Glaube war, der am Anfang die Soziale Marktwirtschaft mitgeprägt hat. Die meisten Gründungsväter und Gründungsmütter der Sozialen Marktwirtschaft waren protestantisch verwurzelt.</p>
<p>Der Freiburger Kreis <em>(eine regimekritische Gruppe insbesondere von Professoren der Universität Freiburg während der NS-Zeit, Anm. d. Red)</em> hat aus einer christlichen Überzeugung heraus das Regime abgelehnt und an Ideen gearbeitet, die später die Soziale Marktwirtschaft prägen sollten.</p>
<p>Es geht um den Menschen. Wirtschaft ist ein Mittel, aber nie das Ziel einer Wirtschaftsordnung, sondern es geht darum, den Menschen die Möglichkeit zu geben, wie ich bereits gesagt habe, ein gutes Leben führen zu können. Diese Sichtweise ist ganz sicher auch ein christliches Erbe des Konzepts. Und man sollte auch deutlich machen, dass die Soziale Marktwirtschaft von Anbeginn eine normativ geprägte Ordnung ist. Konzept ist. Die Soziale Marktwirtschaft ist eben nicht nur eine Wirtschaftsordnung, sondern immer auch eine Gesellschaftsordnung.</p>
<p>Es geht um das gute Leben. Nicht nur um eine effiziente Produktion. Sich heute auf gemeinsame Werte zu einigen, wird nicht einfacher: Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. Es gibt viele verschiedene Werte in unserer Gesellschaft, die zum Glück sehr bunt und sehr vielfältig geworden ist. In der auch andere Ansichten, andere Religionen eine Rolle spielen. Aber die normativen Aspekte &#8211; Was ist ein gutes Leben? Was bedeutet Gerechtigkeit? Wie können wir das verwirklichen – sind bis heute ganz wesentlich für den Zusammenhalt der Geellschaft. Und natürlich kann auch eine katholische Soziallehre oder eine protestantische Sozialethik hier weiterhin Impulse setzen. Sie ist eine Stimme unter vielen Stimmen – aber eine wichtige Stimme.</p>
<p>Wobei ich glaube – obwohl mir diese Einschätzung nicht wirklich zusteht -, die Kirchen könnten etwas offensiver sein, gerade zu sozialwissenschaftlichen Themen auch Position zu beziehen. Weil sie bei diesen Themen bis heute glaubwürdige Akteure sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Wenn Sie diese Zwischenfrage noch erlauben: Sie haben gesagt, die Kirchen müssten sich vielleicht noch offensiver aufstellen. Mein Eindruck ist aber, dass zum Beispiel gerade im akademischen Bereich die katholische Soziallehre eher auf dem Rückzug ist. Selbst traditionsreiche Institute sind, soweit ich das verfolgt habe, eher in Sachen Familienfragen unterwegs und nicht mehr im angestammten Bereich der Wirtschaft. Ist es tatsächlich in der Tendenz so, dass die katholische Soziallehre schwächer wird? Auch die Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle in Mönchengladbach wird ja eingestellt, zum Beispiel.</strong></p>
<p><strong>Goldschmidt: </strong>Das ist so und das bedauere ich absolut. Ich glaube, das ist keine gute Strategie der Kirche. Ich denke, es wäre cleverer, wie gerade gesagt, sich in diesen Fragen zu positionieren. Auch bei den Antworten auf die Herausforderung der soziale Frage Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts war das so und die Kirche wurde gehört. Deutschland ist eines der der Mutterländer für die katholische Soziallehre. Denken wir an Oswald von Nell Breuning, an Joseph Höffner. Denken wir auch an jetzige Vertreter wie Reinhard Marx. Das sind Personen, die katholische Soziallehre geprägt haben, und da ist Kirche glaubwürdig. Die Kirche hat in vielen Feldern an Glaubwürdigkeit verloren. Aber sie ist eine wichtige und eine glaubwürde Stimme, wenn es darum geht, den Wert und die Würde des Menschen innerhalb einer modernen, marktwirtschaftlich verfassten Gesellschaft zu betonen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Tatsächlich war der erste Chefredakteur dieser Zeitschrift, der Niedersächsischen Wirtschaft, Johannes Niggemann, in der katholischen Soziallehre verwurzelt. Und ich habe ihn auch ein bisschen in Verdacht, dass er schon die Quelle ist für Gedanken, die ab 1946 in der IHK Hannover aufgetaucht sind. In denen von einer lebendigen Synthese zwischen freier Initiative und sozialem Wollen in der Wirtschaft die Rede ist. War das ungewöhnlich für diesen Zeitpunkt? Oder war die Soziale Marktwirtschaft damals allgemeines Gesprächsthema, wurde überall darüber gesprochen?</strong></p>
<p><strong>Goldschmidt: </strong>Ich finde es wirklich beeindruckend, dass bereits in einer solchen frühen Phase  in Hannover solche Gedanken zu finden sind. Und es wäre spannend, dem noch mal vertieft nachzugehen.</p>
<p>De facto muss man aber sagen, dass die Idee einer Sozialen Marktwirtschaft, eines Ausgleichs zwischen freiheitlichem Tun und sozialem Wollen, damals keine große Resonanz in der Breite der Bevölkerung hatte. Die Soziale Marktwirtschaft war kein Selbstläufer. Sondern musste initiiert werden. Es bedurfte des Wollens von Alfred Müller-Armack, von Ludwig Erhard, um das Konzet politisch umzusetzen.</p>
<p>Der Großteil der Bevölkerung hatte sicherlich eher die Überzeugung, dass wir Richtung Sozialismus gehen müssen. Dass eine Marktwirtschaft, wie man sie in der Weimarer Republik erlebt hat, gescheitert ist und dass das nicht der Weg sein kann. Und selbst als 1948 im Juni dann die Währungsreform und die Preisfreigabe kamen, waren ja die Alliierten, insbesondere die Amerikaner, durchaus kritisch dagegen dem gegenüber handstreichartig durchgeführten Preisfreigabe.</p>
<p>Und wenn Sie sich das Wirken von Alfred Müller-Armack anschauen: Es war ein Werben um soziale Marktwirtschaft. Es wurden, und das zeigen wir ja in der Ausstellung, Werbefilme gemacht für die soziale Marktwirtschaft, die in Kinos gezeigt wurden. Die haben wir ja auch in der Ausstellung. Und man macht keine Werbefilme, wenn das Produkt eh schon Selbstläufer ist.</p>
<p>Oder wenn Sie denken an die Frankfurter Allgemeine Zeitung Die Zeitung wurde gegründet, eben um insbesondere Werbung auch für die Soziale Marktwirtschaft zu machen. Das hat eine Dissertation jüngst noch mal ganz deutlich herausgearbeitet.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Damit machen Sie historisch noch einmal ein neues Fass auf, das auch die IHK Hannover berührt. Denn ein Anstoß zur Gründung der Frankfurter Allgemeinen kam von der Wirtschaftspolitischen Gesellschaft von 1947, in der etwa der damalige IHK-Vizepräsident Kurt Pentzlin im Vorstand saß, neben insbesondere Ludwig Erhard. Und auch eine Reihe weiterer Hannoveraner waren in der Gesellschaft aktiv. Aber jetzt noch eine letzte Frage. Das ist die nach der Ethik in der Wirtschaft. Was trägt die zum wirtschaftlichen Erfolg bei? Und Sie werden jetzt mit Sicherheit nicht sagen, dass sie nur ein Klotz am Bein ist.</strong></p>
<p><strong>Goldschmidt:</strong> Nein, ganz sicher kein Klotz am Bein. Sondern wir müssen das gute Miteinander wieder lernen. Und das versuchen wir auch mit der Ausstellung zu zeigen. Ethik, das klingt so abstrakt, so moralin. Aber das gute Miteinander ist eine notwendige Voraussetzung dafür ist, dass Gesellschaft und das Wirtschaft gelingen. Alfred Müller-Armack hat in diesem Zusammenhang von sozialer Irenik gesprochen. Eirene: Das griechische Wort für Frieden, für Versöhnung steht bei ihm im Vordergrund. Seine Überlegung: Wir werden keinen wirtschaftlichen Erfolg haben, wenn wir als Gesellschaft unversöhnlich miteinander umgehen. Für ihn und seine Zeit waren das eben die Strömungen von Liberalismus, von Kommunismus, von Protestantismus und Katholizismus, die scheinbar unvereinbar nebeneinander standen. Und Müller Armack argumentiert: Ja, das sind unterschiedliche Strömungen, das sind unterschiedliche Positionen. Wir werden nicht einer Meinung sein, aber wir müssen miteinander auskommen. Wir müssen miteinander Kompromisse schließen, damit wir gemeinsam das Ziel erreichen, dass jeder nach seiner Vorstellung eben auch ein gutes Leben führen kann. Und ich glaube, dieser Gedanke, dass wirtschaftlicher Erfolg notwendigerweise auch ein soziales Miteinander braucht, der ist heute viel dringender, als wir uns das vorstellen. Gerade wenn wir sehen, wie sehr unsere Gesellschaft als polarisiert und radikalisiert wahrgenommen wird.</p>
<p>Das bringt uns zurück an den Anfang: Wir müssen in die soziale Marktwirtschaft investieren &#8211; investieren insbesondere in den sozialen Zusammenhalt. Nur wenn wir sozialen Zusammenhalt haben, nur wenn wir freundlich miteinander umgehen, wenn wir den anderen wertschätzen, wenn wir nicht versuchen, Institutionen, die sich bewährt haben, auszuhöhlen, nur dann kann Soziale Marktwirtschaft ihre positiven Eigenschaften entfalten. Und das Spannende ist, das man auch empirisch zeigen kann, dass diejenigen Länder, die ein hohes Maß an sozialem Zusammenhalt, an sozialer Kohäsion haben, auch die wirtschaftlich erfolgreicheren sind. Wir dürfen Ethik und gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht nur als ein bisschen Soße über ein marktwirtschaftliches Gericht ansehen. Sondern wir müssen verstehen, dass der Zusammenhalt, dass das Soziale eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass wir überhaupt wirtschaftlichen Erfolg haben.</p>
<p>Zum ersten Teil des Interviews mit Nils Goldschmidt kommen Sie <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-1/">hier</a>.</p>
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<p>Die Fragen stellte Klaus Pohlmann.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-goldschmidt-2/">Investieren in den sozialen Zusammenhalt</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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		<title>Die Freitags-Kolumne: Knollennasen für Soziale Marktwirtschaft</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Nov 2024 14:08:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[IHK]]></category>
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<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/die-freitags-kolumne-knollennasen/">Die Freitags-Kolumne: Knollennasen für Soziale Marktwirtschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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<p>Loriot, der große, so scharfsichtige Humorist bringt auch die Soziale Marktwirtschaft auf den Punkt. Nicht zu Beginn, aber doch noch am Anfang seiner Karriere lässt er seine Knollennasenmenschen in einem kurzen Kino-Werbefilm für die noch junge Wirtschaftsordnung werden. 1959 war das. Zu sehen ist der kurze Film gerade in der IHK Hannover im Rahmen der <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/10/soziale-marktwirtschaft/">Ausstellung zur Sozialen Marktwirtschaft</a> (und, pssst, auch im Internet kann man danach suchen). In Auftrag gegeben wurde der Film von einer Einrichtung namens Die Waage, hinter der die IHK Köln stand. Die Texte stammen von Eugen Roth, auch kein kleiner Name.<a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-26531 alignleft" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-200x150.jpg 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-300x225.jpg 300w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-400x300.jpg 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-600x450.jpg 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-768x576.jpg 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web-800x600.jpg 800w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_1_web.jpg 1000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a></p>
<p>Aber ganz ehrlich: Schon Loriots Bilder alleine bringen es auf den Punkt. In zweieinhalb Minuten skizziert er, wie man durch eigene Initiative, Disziplin und vor allem Bildung in einer freien Wirtschaftsordnung eine Lebensgrundlage findet – eben Wohlstand für <strong>alle</strong>, um Ludwig Erhard zu zitieren. Wobei Bildung sowohl als Fundament wie auch als Aufstiegshilfe eines der großen IHK-Themen ist – wie heute, am Tag der <a href="https://www.ihk-n.de/presse/niedersachsens-berufsbeste-2024-geehrt-6310592">Berufsbestenauszeichnung in Stade</a> – nur allzu deutlich wird.</p>
<p><a href="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web.jpg"><img decoding="async" class="size-medium wp-image-26532 alignright" src="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web-300x225.jpg" alt="" width="300" height="225" srcset="https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web-200x150.jpg 200w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web-300x225.jpg 300w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web-400x300.jpg 400w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web-600x450.jpg 600w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web-768x576.jpg 768w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web-800x600.jpg 800w, https://archiv.nw-ihk.de/wp-content/uploads/2024/11/Loriot_2_web.jpg 1000w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" /></a>Apropos Bildung: Fragt man junge Menschen, dann können sehr viele schon nichts mehr mit dem Namen Loriot anfangen. Selbst angesichts der bald wieder anstehenden x-ten Wiederholung von Weihnachten bei den Hoppenstedts. Und viele verbinden auch nichts mehr mit der Sozialen Marktwirtschaft. Es ist höchste Zeit, über eine neue Werbekampagne für Deutschlands Wirtschaftsordnung nachzudenken. Je eher, desto besser. Und schön, wenn man die hellsten Köpfe dafür gewinnen könnte. Wie in den 50er Jahren Vicco von Bülow, alias Loriot. (pm)</p>
</div>
<p><strong>Ursprünglich als Wirtschaftspolitisches Streiflicht, später in einer eigenen Rubrik „Streiflichter“: Glossen begleiten die Niedersächsische Wirtschaft von Anfang an und hatten schon in Vorgänger-Publikationen ihren Platz. An dieser Stelle finden Sie jeden Freitag eine Glosse in dieser Tradition.</strong></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/die-freitags-kolumne-knollennasen/">Die Freitags-Kolumne: Knollennasen für Soziale Marktwirtschaft</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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		<title>Soziale Marktwirtschaft: Wie die IHK Hannover mitmischte</title>
		<link>https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-ihk/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[pohlmann.k]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Nov 2024 10:17:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Vor Ort]]></category>
		<category><![CDATA[Alfred Müller-Armack]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Christian Kuhlemann]]></category>
		<category><![CDATA[Dr. Johannes Niggemann]]></category>
		<category><![CDATA[Franz Henkel]]></category>
		<category><![CDATA[Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Hans-Joachim Fricke]]></category>
		<category><![CDATA[IHK Hannover]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Marktwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wipog]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftspolitische Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Soziale Marktwirtschaft, die Gründung der FAZ und die IHK Hannover: Tatsächlich passt das alles zusammen. Hier die einzelnen Puzzle-Teile. Schon einigermaßen überraschend: Da geht es im Geschäftsbericht der IHK Hannover für das Jahr 1946 um die „beste Wirtschaftsform“ für einen neu zu gründenden deutschen Staat, und als Leitmotiv wird herausgestellt „eine lebendige Synthese zwischen freier  [...]</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-ihk/">Soziale Marktwirtschaft: Wie die IHK Hannover mitmischte</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Soziale Marktwirtschaft, die Gründung der FAZ und die IHK Hannover: Tatsächlich passt das alles zusammen. Hier die einzelnen Puzzle-Teile</strong><strong>.<br />
</strong></h6>
<p>Schon einigermaßen überraschend: Da geht es im Geschäftsbericht der IHK Hannover für das Jahr 1946 um die „beste Wirtschaftsform“ für einen neu zu gründenden deutschen Staat, und als Leitmotiv wird herausgestellt „eine lebendige Synthese zwischen freier Initiative und sozialem Willen.“</p>
<h6><strong>Marktfreiheit und sozialer Ausgleich</strong></h6>
<p>Das klingt ziemlikch deutlich nach Sozialer Marktwirtschaft. Und dem Kernsatz, den Alfred Müller-Armack prägte: Ihr Sinn sei es, „das Prinzip der Freiheit auf dem Markte mit dem des sozialen Ausgleichs zu verbinden.“ Das schrieb Müller-Armack 1956. Der Begriff Soziale Marktwirtschaft ist älter, Müller-Armack veröffentlichte ihn neun Jahre zuvor: Davon erzählt die <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/10/soziale-marktwirtschaft/">aktuell in der IHK Hannover gezeigte Ausstellung</a>.</p>
<p>Die nach dem Zweiten Weltkrieg sich neu bildende IHK Hannover war also, wie es scheint, früh dabei in der Diskussion um eine neue Wirtschaftsordnung.</p>
<h6><strong>Suche nach der Quelle</strong></h6>
<p>Unterzeichnet ist der Teil des Geschäftsberichts, in dem es um die beste Wirtschaftsform und die Synthese zwischen freier Initiative und sozialem Willen geht, von Franz Henkel. Der war erster Nachkriegspräsident der IHK Hannover. Ein vielfach politisch aktiver Fabrikant, der nach 1945 erster Landeschef der FDP wurde. Brachte Henkel diesen so nach Sozialer Marktwirtschaft klingenden Satz und weitere Gedanken ein, etwa den nach einer gerechten Beteiligung der Arbeitnehmerschaft an den Betrieben?</p>
<p>Oder muss man die Quelle, gerade wegen des Hinweises auf die Arbeitnehmer-Beteiligung, eher bei Dr. Johannes Niggemann suchen? Der war Gründungs-Chefredakteur dieser Zeitschrift, der Niedersächsischen Wirtschaft, nach 1945. Er war zutiefst kirchlich vernetzt und von der katholischen Soziallehre beeinflusst – die wiederum ihren Einfluss bei der Entstehung der Sozialen Marktwirtschaft hatte, ebenso wie die protestantische Sozialethik.</p>
<p>Niggemann, davon kann man ausgehen, war im Austausch zumindest mit kirchlichen oder theologischen Kreisen über die sich entwickelnde Wirtschaftsordnung. Und rund zweieinhalb Jahre später veröffentlichte er in der Niedersächsischen Wirtschaft eine hochlobende Buchbesprechung zu Müller-Armacks „Jahrhundert ohne Gott“.</p>
<h6><strong>Spur nach Frankfurt</strong></h6>
<p>Aber es gibt noch einen anderen Weg, auf dem die IHK Hannover in die Diskussion um eine neue Wirtschaftsordnung eingebunden war. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde in der IHK Frankfurt die Wirtschaftspolitische Gesellschaft von 1947 gegründet. Kurz: Wipog. Auch hier ging es um die Frage, welche Wirtschaftsform sich der entstehende deutsche Staat geben wird. Liest man die Mitgliederliste der Wipog jener Jahre, erscheint die Gesellschaft wie ein Sammelbecken wirtschaftspolitisch engagierter Unternehmer aus dem Westen Deutschlands.</p>
<p>Und die trugen dann ganz wesentlich zur Gründung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bei. In deren Genen ist bis heute die Soziale Marktwirtschaft zu finden, mit deutlich ordnungspolitischem Ausschlag. „Das Wirtschaftsressort setzt sich seit je für eine liberale Ordnungspolitik ein“, schrieb FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube im Leitartikel zum 75. Jahrestag der Erstausgabe vor wenigen Tagen. Und: „Wer für die Soziale Marktwirtschaft und ihre schöpferischen Zerstörungen eintritt, will gewiss nicht um jeden Preis am Vergangenen festhalten.“</p>
<h6><strong>Organisationen und Unternehmen</strong></h6>
<p>Gegründet wurde die Wipog in der IHK Frankfurt. In den Gremien aber finden sich deutliche Spuren aus Hannover und Niedersachsen. So war Kurt Pentzlin – Bahlsen-Geschäftsführer, vielfältig und zeitweise auch in der IHK Hannover aktiv – im Vorstand der Gesellschaft, neben unter anderem Ludwig Erhard. Im Beirat findet man 1949 Dr. Christian Kuhlemann, erst Vizepräsident und dann Präsident der IHK Hannover. Ebenso wie Dr. Woldemar Liebernickel, IHK-Abteilungsleiter und mutmaßlich in seiner Funktion als Geschäftsführer der IHK-Vereinigung in Niedersachsen.</p>
<p>Auf der Mitgliederliste 1949 steht in einer ganzen Reihe von Niedersachsen Hans-Joachim Fricke, IHK-Hauptgeschäftsführer in Hannover. Und Vertreter von Unternehmen wie Continental, Sprengel, Stichweh, Westinghouse, Eilers, Hackethal oder Hanomag.</p>
<h6><strong>Unterschiedliche Lager in der IHK?</strong></h6>
<p>Nicht auf der Liste allerdings mit Franz Henkel der damalige Präsident der IHK Hannover, und auch nicht Johannes Niggemann als NW-Chefredakteur und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der IHK. Was nahelegt, dass damals auch an dieser Stelle unterschiedliche Lager in der IHK gab.</p>
<p>Im Geschäftsbericht für das Jahr 1947 übrigens, dessen wesentlicher Einleitungsteil vom Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Fricke stammt, geht es zumindest nicht mehr um ein soziales Wollen: Fricke betont bei der Frage nach einer künftig Wirtschaftsordnung die Ablehnung einer zentral geplanten Wirtschaft, beschäftigt sich aber vor allem mit der Rolle der Industrie- und Handelskammern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><strong>Die Ausstellung kann während der Geschäftszeiten der IHK besichtigt werden. Auch ein Besuch von Gruppen und Schulklassen ist möglich; Kontakt für Terminabsprachen: IHK Hannover, Kommunikation, Klaus Pohlmann, Tel. 0511 3107-269, <a href="mailto:klaus.pohlmann@hannover.ihk.de">klaus.pohlmann@hannover.ihk.de</a></strong></em></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://archiv.nw-ihk.de/2024/11/soziale-marktwirtschaft-ihk/">Soziale Marktwirtschaft: Wie die IHK Hannover mitmischte</a> erschien zuerst auf <a href="https://archiv.nw-ihk.de">NW IHK</a>.</p>
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